AUSBILDUNG

Wasserrettung in Düsseldorf

Die Wasserrettung spielt bei der Feuerwehr Düsseldorf schon lange eine besondere Rolle. Der Rhein begrenzt bzw. durchquert das Stadtgebiet auf etwas mehr als 42 Kilometern, zahlreiche Bäche durch die Stadt münden in ihn. Innerhalb der Stadtgrenzen finden sich weitere größere und kleinere Wasserflächen, die oft der Naherholung dienen. Jährlich verzeichnet die Feuerwehr mehr als 100 Einsätze auf und am Wasser, so dass organisatorisch und technisch Vorkehrungen für diese Einsätze zu treffen sind. Aufgrund günstiger topographischer und städtebaulicher Bedingungen spielen dabei Rheinhochwässer eine Nebenrolle.

Das Feuerlöschboot - FLB 2 1963 in Dienst gestellt

Anmerkung:

FLB 2 ist eine Traditionsbezeichnung. Das FLB 1 war von 1925 – 1973 im Dienst, das „neue“ FLB 2 wurde 1963 in Dienst gestellt und behielt die Bezeichnung bei.

 

Einsatzmittel

Für die Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und Notfallrettung auf dem Rhein ist vorrangig die im Hafen beheimate Feuerlöschbootstation mit dem „Feuerlöschboot 2“ und einem Rettungsboot (RTB 2, Aufnahme von max. 5 Personen (bei einer Besatzung von 2) sowie einer Krankentrage oder Tragkraftspritze.) zuständig.

 

Für beide Boote stehen rund um die Uhr fünf eigene Funktionen (die besonderen Qualifikationsanforderungen, v.a. Feuerlöschbootpatent und Radarpatent, erfordern dies) zur Verfügung. Zu den meisten Einsatzlagen rücken beide Boote gleichzeitig aus. Das wendige und schnelle Mehrzweck- bzw. Rettungsboot (max. 60 km/h) bietet dabei einen wichtigen Zeitvorteil, da das große Feuerlöschboot (max. ca. 45 km/h) z.B. bis zum Erreichen der südlichen Stadtgrenze (stromauf, „zu Berg“) etwa 90 Minuten benötigt. Dessen Stärke wiederum liegt neben zwei Löschmonitoren mit zusammen 10.000 l/min und einem Vorrat von 4.500 l alkoholbeständigem AFFF-Schaummittel in den Möglichkeiten zur technischen Hilfeleistung. Der auf dem Vorschiff montierte Kran mit ca. 8 m dient neben der Wasserung des Beiboots u.a. zum Überheben großer Tauchpumpen (sieben Pumpen: 2 x 3.500 l/min; 2 x 2.300 l/min; 2 x 1.000 l/min;1 x 400 l/min) mit einer Lenzleistung von zusammen 14000 l/min.

 

Bei havarierten Schiffen können mit Tauchpumpen und eingebauten Feuerlöschkreiselpumpen (2 x FP 8.400 l/min) zusammen 30.800 l/min gelenzt werden. Für die Besatzung steht umfangreiche PSA zur Verfügung: neben der obligatorischen HuPF-Kleidung und für die Brandbekämpfung geeigneten Rettungswesten spezielle Kälteschutzanzüge (Überlebensanzug Helly-Hansen E300-2, geeignet für mind. 6 Stunden Aufenthalt in 0 °C kaltem Wasser), PA und CSA (mit Sicherungsmöglichkeit am Rücken). Gasmeß- und Strahlenmeßgeräte sind ebenso vorhanden wie Nachtsichtgerät, Wärmebildkamera, Notfallkoffer und Defibrillator. Derzeit läuft die Nachrüstung eines neuen Radargerätes, das auch GPS-Daten verarbeitet.

 

Das FLB 2 ist eines von drei großen Feuerlöschbooten, die in den sechziger Jahren nach spektakulären Schadenfällen auf dem Rhein durch das Land Nordrhein-Westfalen beschafft wurden. (Stationiert in Köln, Düsseldorf und Duisburg. Die Feuerwehr Duisburg verfügt darüber hinaus noch über ein vergleichbar großes kommunales Boot). Allerdings trägt das Land nur die Kosten für Wartung und Instandhaltung. Die Personalkosten sind von den Stationierungskommunen zu übernehmen und machen erwartungsgemäß den größten Anteil der Unterhaltskosten aus. Die Boote kommen bei Bedarf, ergänzt durch sechs weitere, kleinere, ebenfalls vom Land beschaffte Boote (Stationiert in Bonn, Köln, Neuss, Krefeld, Wesel und Emmerich) auf dem gesamten Rhein innerhalb der Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens zum Einsatz.

 

Verläßt das FLB für einen solchen Einsatz das Stadtgebiet, wird parallel - wie bei allen überörtlichen Einsätze - ein Verbindungsbeamter (gD Feu, C-Dienst mit ELW 1) entsandt, um landseitig eine Verbindung zur lokalen Einsatzleitung herzustellen.

 

Bei Einsätzen auf dem Rhein innerhalb des Stadtgebiets werden parallel zu den Booten der Löschbootstation Landkräfte alarmiert. Vom zentralen Standort der Feuer- und Rettungswache 1 rückt die Taucherstaffel mit Gerätewagen Wasserrettung und Rettungsboot aus (An der FRW 1 befindet sich auch der Standort des Reserve- bzw. Ausbildungs-GW-W. Ein Reserve-RTB ist an FW 10 stationiert, ein weiteres wird im Rahmen des kommunalen KatS von der DLRG genutzt).

 

Weiterhin verfügen zwei freiwillige Feuerwehren, je eine im Norden und eine im Süden (Aufgrund der großen Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets sind zahlreiche Sonderaufgaben der freiwilligen Feuerwehr jeweils einer nördlichen und einer südlichen Löschgruppe zugewiesen. Ihre Alarmierung erfolgt parallel zur BF; bei Bedarf auch alle Einheiten zusammen) über Rettungsboote. Je nach Lage der Einsatzstelle werden sie ebenfalls alarmiert.

 

Weitere Rettungsboote stehen bei der DRK Wasserwacht und der DLRG zur Verfügung, die ebenfalls nach Verfügbarkeit in die Einsatzmittelkette einbezogen sind. Hinzu kommen weitere Brandschutzeinheiten, die z.B. die Suche und ggf. Rettung im Uferbereich übernehmen.

RTB 2

Als RTB 2 werden derzeit ausschließlich professionelle Schlauchboote (zur Zeit der Fa. DSB) mit Aluminiumrümpfen (L= 5,40 m, B= 2,10 m, 1300 kg Nutzlast) (In der Länge muss bei RTB auf wellenreichen Strömungsgewässern ein Kompromiss zwischen „Länge läuft und lässt sich gut fahren“ und „Bootsgewicht“ bzw. „Wendigkeit“ gefunden werden) eingesetzt. Seit 2002 werden sie nach einer Empfehlung der Wasserschutzpolizei mit Doppelmotorisierung beschafft, um auch bei Ausfall eines Motors noch manövrierfähig (Der Rhein ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Ein manövrierunfähiges Boot (was in den letzten Jahren bei Motor- oder Schraubenschäden immer wieder vorkam) ist eine Gefahr für dessen Besatzung und ggf. die andere Schiffahrt!) zu bleiben.

 

Die üblichen Bootsspiegel bzw. Motorträger am Heck auch professioneller Schlauchboote haben damit bei den hohen Belastungen schneller Alarmfahrten im wellenreichen Strömungsgewässer erhebliche Probleme. Es kommt immer wieder zu vibrations- und gewichtsbedingten Schäden. Künftig wird überlegt, einen Haupt- und einen Notmotor einzusetzen, um das Gewicht am Heck zu reduzieren

RTB 2 auf Bootstrailer

Als Zugfahrzeuge der Bootstrailer dienen der Feuerwehr im Alarmfall geländegängige einzelradbereifte Fahrzeuge (z.B. GW-W, RW 1, TLF 16/24-Tr, SW 2000-Tr). Für den Service der Boote und zu Überführungsfahrten sowie bei Großschadensfällen (Einsatz weiterer RTB) werden auch Landrover 130 CC eingesetzt, nachdem es mit den vorher eingesetzten Transportern (VW T 4 bzw. MB Sprinter) beim Wassern der Boote v.a. bei nassen Rampen schon öfter Probleme (Es kam beim Ziehen der Trailer mit Boot aus dem Wasser dazu, dass die Traktion der einzig angetriebenen Achse nicht reichte und die Strömung das Boot mit dem Trailer und dem Transporter ins Wasser zu ziehen drohte) gab.

 

Obwohl nur an sieben Stellen entlang des Rheinverlaufs Wasserungsstellen für die getrailerten Rettungsboote bestehen, bringt der parallele Einsatz von Land- und Wasserkräften erhebliche Zeitvorteile. Die schnellere Anfahrt über Straßen überwiegt bei weitem den Zeitbedarf für die Wasserung der Boote.

 

Sowohl Hochwasser wie auch Niedrigwasser bereiten abhängig von den Pegelständen zum Teil deutliche Probleme mit den Wasserungsstellen. Bei Hochwasser kann aber ggf. an anderen Stellen (z.B. überfluteten Zufahrtsstraßen) mit Trailer gewassert werden. Als der Rhein im Sommer 2003 historische Tiefststände erreichte, waren etliche Wasserungsstellen nicht mehr nutzbar, da die Rampenfüße trocken fielen. Ein Befahren des Kiesbetts ist schwierig bis unmöglich – in diesen Fällen müssen individuelle Maßnahmen getroffen werden, z.B. werden RTB an geeigneten Stellen bereits gewassert vorgehalten. Neben Problemen bei der Diebstahlsicherung schränkt das aber die Einsatzfähigkeit im restlichen Stadtgebiet ein! Die Alternative dazu ist das Mitführen eines RTB auf einem WLF mit Allradantrieb und Ladekran. Das WLF fährt möglichst nah an geeigneten Stellen an das Rheinufer und wassert das RTB über den Ladekran.

Taucherstaffel

Die Feuerwehr Düsseldorf unterhält für die Wasserrettung seit 1975 eine Taucherstaffel, die an FRW 1 stationiert ist. Sie besteht aus derzeit 40 FA mit der Ausbildung zum Feuerwehrtaucher der Stufe 1 gemäß FwDV 8.

 

Gerätewagen Wasserrettung, Baujahr 2004, MB Atego 925 AF mit Ziegler Aufbau

Im Heck des Fahrzeuges steht den Tauchern eine Umkleidemöglichkeit zur Verfügung

 

Die Aus- und Fortbildung erfolgt durch eigene Lehrtaucher. Die Taucherstaffel kann - wie auch alle anderen Einheiten der Feuerwehr Düsseldorf - auch überörtlich eingesetzt werden. Um auch mit einem Hubschrauber schnell verlegbar zu sein, ist ein Teil der Ausrüstung in Kisten verpackt. Bei größeren Einsatzlagen oder längeren Abwesenheiten (z.B. überörtliche Einsätze) können über das PAS (Personen-Alarmierungs-System; Wähl- und Aussagefunktionalität des Einsatzleitsystems) weitere Taucher aus der Freizeit alarmiert werden, um den Reserve-GW-W zu besetzen.

 

Der Reserve-GW-W dient sonst v.a. der Aus- und Fortbildung der Taucher. Bei nur einem GW-W führte ein Übungstauchen (Das Übungstauchen erfolgt aus der Freizeit gegen Bezahlung. Damit stehen die Taucher der FRW 1 zwar zur Verfügung, ohne GW-W verfügten sie aber bis zur Beschaffung des neuen Fahrzeugs dann über kein Einsatzmittel mehr) in einem der umgebenden Seen bisher faktisch dazu, dass der Einsatz der Taucherstaffel nur mit erheblicher Verzögerung möglich gewesen wäre.

Reserve Gerätewagen-Wasserrettung

 

Die Taucherstaffel führte im Jahr 2005 mehrere Tests mit verschiedenen Sonargeräten durch. Mittlerweile gibt es bezahlbare und sehr gute Versionen auf dem Markt. Ein Gerät für das RTB 2 der Taucher wird im Jahr 2006 aufgrund der guten Erfahrungen beschafft.

 

Ein großer Wunsch der Abteilung Technik ist die Verfügbarkeit von ausreichend leistungsfähigen, zur Montage auf RTB geeigneten und bezahlbaren Radargeräten. Bisher ist der Einsatz mit RTB ohne Radar (nur mit Radarreflektoren ausgestattet) bei starkem Nebel auf der viel befahrenen Bundeswasserstraße Rhein kaum zu verantworten.

 
Einsatzabwicklung

Bei Einsätzen (z.B. „Person im Wasser“) auf innerstädtischen Gewässern werden die oben beschriebenen Landeinheiten alarmiert. Damit die parallel zur Taucherstaffel und der zuständigen Wasserrettungs-Löschgruppe der FF ausrückenden Einheiten der BF und FF, deren Eintreffen fast immer deutlich vor den spezialisierten Einheiten liegt, ebenfalls sicher tätig werden können, verfügt jedes HLF der BF (Der Einsatzleitrechner stellt die Einheiten nach dem in der AAO festgelegten Umfang zusammen. Je nach Einsatzlage im Stadtgebiet (Paralleleinsätze) können daher alle Wachen der BF am bzw. auf dem Rhein und innerstädtischen Gewässern zum Einsatz kommen. Da dies auch für alle anderen Einsatzfälle gilt, sind die Fahrzeuge der BF grundsätzlich identisch ausgestattet.) über zwei Rettungswesten zur Brandbekämpfung, einen Überlebensanzug (Eisrettung!), zwei Taucherbrillen mit Schnorchel sowie einen geeigneten Rettungswurfring mit Wurfleine.

 

Innerhalb eines Brandschutzabschnitts (zwei Wachen der BF und bis zu vier Löschgruppen der FF) verfügt jedes KEF (Kleineinsatzfahrzeug) der BF (Ausnahme Abschnitt I (FRW 1 und FLB), da dort mit Taucherstaffel und Booten bereits ausreichend Materialen zur Verfügung stehen.) über ein aufblasbares Schlauchboot (Schnelleinsatzboot, SEB 1), zwei Taucherbrillen mit Schnorchel sowie einen geeigneten Rettungswurfring mit Wurfleine. Zwei Löschgruppen der FF, in deren Einsatzbereich größere Seen liegen, besitzen ebenfalls ein SEB. Zu jedem SEB gehören vier Rettungswesten, die allerdings nicht zur Brandbekämpfung geeignet sind.

 
Die Möglichkeiten der Wasserrettung verteilen sich damit wie folgt:
Abschnitt I  
FRW 1 GW-W mit SEB, RTB 2 (Fotos einer Übung)
  KEF mit SEB 1
FLB FLB, RTB 2
Abschnitt II  
FRW2 KEF mit SEB 1
FRW 3 KEF mit SEB 1
LG 12 SEB 1
LG 13  
LG 14 RTB 2
LG 15  
Abschnitt III  
FRW 6 KEF mit SEB 1
FRW 7 KEF mit SEB 1
LG 16  
LG 17 RTB 2 (Fotos einer Übung der FF Himmelgeist/Itter)
Abschnitt IV  
FRW 4 KEF mit SEB 1
FRW 8 KEF mit SEB 1 Anmerkung:
 

Dieses SEB wird bei Bedarf verladen, da aufgrund der Hallenmaße auf der FRW 8 nur ein kleineres KEF (VW T4 anstelle DC Sprinter) zur Verfügung steht. Ähnliches gilt für einige SEB der FF

FW 10 (GW-A), Reserve-RTB
LG 11  
LG 18 SEB 1
LG 19  
LG 20  

Die auf jedem HLF der BF mitgeführten Rettungswesten erlauben den sofortigen Einsatz eines Trupps unter schwerem Atemschutz auf oder am Wasser. Um zusätzliche Trupps ausstatten zu können, führen folgende Sonderfahrzeuge weitere Rettungswesten mit:

  • 2 Rettungswesten auf dem RTB der Taucherstaffel

  • 10 Rettungswesten zur Brandbekämpfung auf dem GW-Atemschutz.

  • Hinzu kommen noch zehn Rettungswesten zur Brandbekämpfung auf dem FLB,

die genutzt werden können, wenn vor dem Auslaufen bereits weitere Einsatzkräfte aufgenommen werden sollen. Diese Verteilung bietet die größtmögliche Flexibilität, denn die Wasserungsstelle der Taucherstaffel liegt nur selten in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes, zu dem die Landkräfte fahren. Diese werden am GW-A ausgestattet und bei Bedarf vom RTB übergesetzt. Die Westen des GW-W dienen neben dem Eigenschutz der Besatzung z.B. für Rettungsdienstkräfte, die bei einem medizinischen Notfall übergesetzt werden.

Tests mit der persönlichen Schutzausrüstung

Aufgrund der verschiedenen Einsatzszenarien, die sich beim Dienst auf dem Feuerlöschboot ergeben, stellte sich des öfteren die Frage, „Was passiert, wenn man mit unterschiedlichen Schutzkleidungen das sichere Boot unfreiwillig verläßt und ins kühle Naß eintaucht?“ Wieviel Zeit bleibt für die eigene bzw. die Fremdrettung? Im Sommer 2004 führte die Besatzung des Feuerlöschboots dazu Tests mit verschiedenen Schutzkleidungen durch. Die Testperson wog 80 Kilogramm, was durchaus als Normgewicht bezeichnet werden kann.

 
Erster Test – PSA nach HuPF ohne zusätzliche Sicherung:

Bild 1: Der Auftrieb der Schutzkleidung ist enorm, die Schaftstiefel sind nicht hinderlich

 

Im ersten Test wurde die mit einer Leine gesicherte Testperson mit dem Kran des Feuerlöschbootes sitzend im eingehängten Jasons Cradle ins Wasser gelassen. Ausgerüstet war sie mit dem Feuerwehrhelm (Standardmodell aus Aluminium), Schaftstiefeln, Überjacke und Überhose (alt, ohne Polster) nach HuPF. Die Testperson verblieb 10 Minuten im Wasser. Aus dem Test ergab sich, daß der Helm den Kopf nicht unter Wasser drückte. Mit dem Helm ließ sich ohne Probleme ab- und auftauchen, es fand keine spürbare Beeinträchtigung statt. Die Überjacke schränkte die Fortbewegung nicht übermäßig ein.

 

Die Überjacke sorgte, bis sie komplett mit Wasser vollgesogen war, für Auftrieb. Als sie vollgesogen war, hörte die Auftriebskraft auf. Ein Überwasserhalten war für die Testperson bei leicht erhöhtem Kraftaufwand ohne Probleme möglich. Das Ausziehen der Überjacke war in den ersten zwei Minuten, bevor die Überjacke vollgesogen war, ohne großen Aufwand möglich, anschließend bei leicht erhöhter Kraftanstrengung ebenso. Die Stiefel schränkten die Fortbewegung nicht ein und zogen die Testperson nicht zum Grund. Außerdem ließen sie sich über die Wasseroberfläche anheben und unter Wasser ausziehen.

Zweiter Test – PSA nach HuPF mit Preßluftatmer
 
 

Bild 2: Das Atmen mit PA ist unter Wasser bei geringer Wassertiefe ohne Probleme möglich

Beim zweiten Test wurde die Testperson mit einer Endlosschlinge, die im Kranhaken des Feuerlöschbootkrans befestigt war, ins Wasser gelassen. Zur oben genannten Schutzkleidung kam noch eine Flammschutzhaube und ein Atemschutzgerät (PA 94 Plus) hinzu. Die Testperson verblieb auch bei diesem Test 10 Minuten im Wasser. Sie konnte sich trotz Atemschutzgerät und völlig durchnäßter Schutzkleidung gut über Wasser halten. Das Atemschutzgerät funktionierte einwandfrei, auch das Atmen mit dem Kopf unter Wasser war beschwerdefrei möglich.

 

Fortbewegung mit deutlichem Vortrieb war sowohl in Brust – als auch Rückenlage möglich, wobei die Rückenlage als angenehmer empfunden wurde. Die zurückgelegte Strecke betrug ca. 30 m. Zum Abschluß kletterte die Testperson ohne fremde Hilfe über eine Leiter an Land.

 
 

Bild 3: Rückenschwimmen erwies sich als die angenehmste, schnellste und am wenigsten ermüdende Fortbewegung

Dritter Test – PSA nach HuPF, Preßluftatmer und Rettungsweste SFD 40

Bild 5: Die Atemschutzmaske kann durch die aufblasende Rettungsweste verrutschen

 

Der dritte Test erfolgte mit der aus dem zweiten Test bekannten Ausrüstung, hinzu kam noch eine Rettungsweste (Secumar 40 SFD), die über dem PA getragen wurde. Zur realistischen Bewertung „fiel“ die Testperson aus zwei Metern Höhe vom Feuerlöschboot ins Wasser. Der Aufprall wurde nicht als schmerzhaft empfunden. Die Testperson tauchte durch den Auftrieb der Schutzkleidung nicht mit dem Kopf ins Wasser ein.

Die Rettungsweste öffnete nach ca. 5 Sekunden (Um eine unwillkürliche Auslösung durch Hängen bleiben zu vermeiden, wird der Griff der Handauslösung in die Schutzhülle gesteckt. Eine manuelle Auslösung ist durch Öffnen der Schutzhülle (Klettverschluß) immer noch möglich. Die Wartung aller Rettungswesten erfolgt durch das Personal der Löschbootstation, die durch Hersteller ausgebildet und zertifiziert wurden.)

Obwohl die Beweglichkeit durch die Rettungsweste eingeschränkt war, konnte sich die Testperson mit langsamem Vortrieb, am besten in Rückenlage, fortbewegen. Die Atemschutzmaske verrutschte beim Sturz nicht, wurde aber durch die sich aufblasende Rettungsweste weggedrückt.. Das Atemschutzgerät, die Atemschutzmaske und der Bodyguard funktionierten einwandfrei. Beim Bodyguard wurde nach Abschluß des Tests Wasser im Display festgestellt. Die Testperson verblieb fünf Minuten im Wasser und kletterte über ein an der Bordwand befestigtes Jasons Cradle mit Unterstützung zweier Kollegen an Bord.

 

Bild 4:

Sturz aus zwei Metern Höhe

Bild 6:

Nach getaner Arbeit mit eigener Kraft über die Treppe an Land

Vierter Test – CSA ohne zusätzliche Sicherung

Bei einem Einsatz mit Freisetzung nitroser Gase mußte ein Löschmonitor unter CSA einen Monitor manuell bedient werden. Da auch in dieser Situation ein Überbordfallen nicht ausgeschlossen werden kann, wurde auch dieser Fall simuliert. Die Testperson wurde mit einem CSA (Sikan 4, Fa. Tesimax ) ausgerüstet und simulierte einen Sturz aus zwei Metern Höhe, seitlich fallend vom Vordeck des Feuerlöschbootes. Der Aufprall wurde nicht als schmerzhaft empfunden und die Atemschutzmaske verrutschte nicht.

 

Die Testperson tauchte durch den enormen Auftrieb des CSA nicht mit dem Kopf unter Wasser. Wenn sich die Sichtscheibe des CSA verschob, konnte man sie durch die Klappmesserposition wieder in die richtige Stellung bringen. Die Testperson wurde über den Zeitraum der Testphase von zehn Minuten durch das Luftpolster im CSA über Wasser gehalten. Der Auftrieb ist, wie auf dem Bild zu erkennen, enorm. Eigene Schwimmbewegungen, um über Wasser zu bleiben, waren nicht nötig. Es ist aber zu beachten, daß der CSA mit der Zeit immer mehr von seinem Luftpolster verliert, da er sich durch den Wasserdruck an den Körper anlegt. Die beste Position ist somit die Rückenlage, da die Luft zwischen Körperoberfläche und CSA gedrückt wird. Dadurch wird der Luftpolsterverlust minimiert. Fortbewegen im Wasser kann man sich am besten durch Rückenschwimmen.

 

Die Testperson wurde mittels einer im Haken des Feuerlöschbootkrans befestigten Endlosschlinge wieder an Bord geholt. Um die unter CSA vorgehenden Personen adäquat sichern zu können, wird ein spezielles Leinensicherungssystem für die CSA verwendet (Ingesamt werden neun CSA mit einer Befestigungsmöglichkeit für eine Sicherungsleine vorgehalten: je drei auf dem FLB, dem GW-A und in der Atemschutzwerkstatt)

 

Bild 7:

Auch unter CSA ist die Rückenlage am angenehmsten und die Auftriebskraft enorm. Die Sicht ist allerdings durch den Anzug erheblich behindert.

Bild 8:

Wasserrettung bei nicht entkräfteten Personen mittels Kran und Endlosschlinge

Fazit

Alle vier Tests fanden in fast strömungsfreiem Wasser und bei moderaten Wasser- und Lufttemperaturen statt. Die Testperson war gesund, unverletzt und auf die Testsituationen vorbereitet. Welche Rückschlüsse sind aus diesen Tests zu ziehen?

  • Eine Sicherung gegen Abtreiben ist auf dem Rhein unbedingt erforderlich, denn nur so bleibt die Person sicher in der Nähe eines Bootes. Besondere Aufmerksamkeit ist aber in Schraubennähe (v.a. auf den RTB) erforderlich, damit weder Verletzungen entstehen noch das Boot durch Leinen in der Schraube manövrierunfähig abtreibt. Rettungsweste, Überlebensanzug und CSA ermöglichen eine stabile Rückenlage, die gegen Ertrinken sichert, aber das gezielte Schwimmen erheblich erschwert. Man wird i.d.R. auf eine Fremdrettung angewiesen sein.

  •  Sofern man sich sparsam bewegt, unterstützt das Luftpolster des CSA den Auftrieb deutlich. Anderenfalls drückt man die Luft zu schnell aus dem Anzug. Angesichts der Sichteinschränkungen des Trägers, verbunden mit den Bewegungseinschränkungen beim Treiben im Wasser, sollte man sich auf die Fremdrettung konzentrieren. Das Tragen von Rettungswesten über dem CSA ist nicht angezeigt. Um ausreichend wirksam zu sein, müssen sie stramm angelegt werden, was den Aufbau des Luftpolsters im CSA verhindert. Eine Beständigkeit der Schwimmwesten gegen Chemikalien darf als nicht vorhanden angesehen werden – hier ist eine sichere Leinenverbindung die bessere Wahl.

  • Besonderes Augenmerk muß auch auf den Temperaturerhalt gelegt werden. Besonders im Winter und bei längerem Aufenthalt im Wasser (z.B. längere Suche bei Dunkelheit) ist schon eine unverletzte Person nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen (Bei Wassertemperaturen unter 15 °C: Eintauchreflex und Kälteschock, Beginn der Symptome innerhalb von 30 Sekunden, Ertrinken durch Akutreaktionen (z.B. reduzierte Fähigkeit zum Luftanhalten, Hyperventilationsgefahr, massiver Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks) nach 3 bis 5 Minuten) Selbst für geübte Schwimmer ist das Schwimmen in strömenden Gewässern wie dem Rhein (Je nach Wasserstand Strömungsgeschwindigkeiten in Strommitte von bis zu 8 km/h, an Strömungshindernissen (z.B. Brückenpfeilern, Steigern etc.) z.T. noch darüber.) mehr als nur eine Herausforderung! Die Besatzung des MZB muß grundsätzlich, die des FLB bei Tätigkeiten an Deck, den Überlebensanzug tragen. Ausnahmen hiervon sind nur im Sommer zulässig. Da dies auch für potentiell zu rettende Personen gilt, ist das eigene Risiko in Bezug auf die Eintreffzeit besonders sorgfältig abzuwägen!

  • Rettungswesten sind grundsätzlich zu tragen, da nur mit ihnen gewährleistet ist, auch bei Bewußtlosigkeit in eine sichere Rückenlage gedreht zu werden.

  • Sollte die Maske nicht verrutscht sein, bietet ein PA zunächst einen weiteren Schutz gegen Ertrinken, da er bei geringen Eintauchtiefen (Theoretisch 10 m, nach praktischen Tests eher bei 5 m) wie ein Tauchgerät wirkt. Geht aber der Luftvorrat zu Ende, kann eine bewußtlose Einsatzkraft ersticken.

  • Die Auftriebskraft der Rettungsweste SFD 40 reicht gut aus, um eine Einsatzkraft in HuPF und mit PA über Wasser zu halten. Dies gilt NICHT für die Rettungswesten Secumar Survial 275 – diese dienen nur dem Schutz gegen Ertrinken in Einsatzkleidung, für den sie ausreichend dimensioniert sind.

Mit den geschilderten Vorbereitungen und der Ausstattung ist die Feuerwehr Düsseldorf gut für Einsätze auf und an Gewässern gerüstet. Die Verfasser danken den Herren Sawusch, Schrills, Schroeder, Knipping und Engels für die Unterstützung.

 

HBM Jörg Tometzek

Feuerlöschboot

 

OBR Dipl.-Ing. Arvid Graeger

Sachgebietsleiter Strategische Planung, Einsatzvorbereitung

 

OBR Dipl.-Ing. Ulrich Cimolino

Abteilungsleiter Technik

Feuerwehr Düsseldorf

 

Fotos: Bild 1 bis 8 HBM Jörg Tometzek, Fahrzeuge Jürgen Truckenmüller

© Jürgen Truckenmüller, Düsseldorf - letzte Änderung: 25.04.2011