TECHNIK

Werkzeug für den Brandeinsatz

Speziell im Brandeinsatz benötigen Feuerwehrleute neben der erforderlichen Lösch- und Sicherheitseinrichtung ein einfaches Werkzeug um mechanische Tätigkeiten durchführen zu können. Wesentliche Tätigekeiten sind:

  • "Hebelnde Funktion" um Zugang zu verschaffen (z.B. öffnen einfacher Türen)

  • "Zerstörende Funktion" (z.B. einschlagen eines Fensters, öffnen einer Bedachung)

  • "Reißende Funktion" (z.B. Gegenstände wegziehen, Brandnester freilegen)

  • "Tastende Funktion" (zur Eigensicherung bei schlechter Sicht und zum Absuchen von Bereichen)

Diese Axt wurde speziell für diese Tätigkeit entwickelt. Sie sollte auch aus Gründen der Eigensicherheit ständiger Begleiter eines Trupps im Brandeinsatz sein. Zur Zeit sind 10 handgefertigte Prototypen im Umlauf. 4 Stück sind auf Düsseldorfer Feuerwachen im Test. Die Resonanz ist sehr positiv.

 

Ergänzende Informationen in der Brandschutz Ausgabe 9/2009

Text und Fotos:
Norbert Diekmann, Feuerwehr Düsseldorf

Auf der Interschutz, Stand des vfdb in Halle 5 B78 kann ein Prototyp besichtigt werden.

 

Speziell im Brandeinsatz  benötigen Feuerwehrleute neben der erforderlichen Lösch- und Sicherheitsausrüstung ein einfaches Werkzeug um mechanische Tätigkeiten durchführen zu können. Dieses Werkzeug sollte dem vorgehenden Trupp während seines gesamten Einsatzes zur Verfügung stehen. Neben den üblichen Anwendungen kann es auch zur Befreiung aus eigenen Zwangslagen hilfreich sein und ist somit auch unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit ein notwendiges Ausrüstungsteil. Eine Bewertung muss bezüglich der erforderlichen Funktionen und der Ergonomie erfolgen. Daraus ergibt sich die Akzeptanz des Anwenders, die wohl wichtigste Voraussetzung für ein neues Einsatzmittel.

Über Einsatzmöglichkeiten des Halligan-Tools zum Öffnen von Türen oder im Einsatz der technischen Hilfe wurde in den unterschiedlichsten Medien mehrfach berichtet. Doch ist dieses Werkzeug auch das richtige Mittel im Brandeinsatz?

 

Da wird vorgeschlagen bzw. durch die Normgebung vorgegeben (in neueren Fahrzeugnormen ist die Feuerwehraxt nach DIN 14900 nicht mehr Bestandteil der Beladung), den Angriffstrupp an Stelle der Feuerwehraxt mit einem Paket aus Halligan-Tool und Spalthammer auszurüsten. Eine zusätzliche Belastung für den Angiffstrupp mit ca. 9 kg! Ja mit der Anwendung des Halligan-Tools als Spaltkeil, der mit dem Spalthammer eingetrieben wird, lassen sich schon massive Türen öffnen. Dieses Erfordernis ist, wenn überhaupt, meistens nur am ersten Zugang zur Brandstelle gegeben. Für das weitere Vorgehen des Angriffstrupps ist die Kombination aus Halligan-Tool und Spalthammer zu unhandlich und kann die sonstigen notwendigen Anwendungen nur unzureichend erfüllen bzw. stellt zudem eine erhebliche Belastung und Gefährdung dar. In der Praxis werden die Geräte häufig an der Eingangstür oder an der Rauchgrenze abgelegt. Ein weiteres Vorgehen des Angriffstrupps ohne ein geeignetes Werkzeug für wesentliche Tätigkeiten mit den unterschiedlichen Funktionen:

  • "Hebelnde Funktion“ um Zugang zu verschaffen (z.B. öffnen einfacher Türen).

  • "Zerstörende Funktion“ (z.B. einschlagen eines Fensters, öffnen einer Bedachung).

  • "Reißende Funktion“ (z.B. Gegenstände wegziehen, Brandnester freilegen).

  • "Tastende Funktion“ (Zur Eigensicherheit bei schlechter Sicht und zum Absuchen von Bereichen).

gefährdet den Einsatzerfolg und ist auch aus Eigensicherheitsgründen nicht akzeptabel.

 

Hebelnde Funktion:

Hier bietet das Halligan-Tool einiges an Möglichkeiten (ist in bisherigen Berichten auch immer Schwerpunkt der Anwendung gewesen). Die erreichbaren Kräfte in der alleinigen Anwendung sind aufgrund der Geometrie  maximal mit denen eines einfachen Nageleisens vergleichbar aber für die meisten Anforderungen ausreichend.

 

Zerstörende Funktion:

Hier erreicht das Halligan-Tool seine maximale Wirkung in der  Kombination mit einem Schlagwerkzeug. Ebenfalls ist die Anwendung als Stoßwerkzeug gegeben. Die schlagende Anwendung ist aufgrund der Geometrie immer mit einem nachteiligen Drehimpuls behaftet. Eine trennende Wirkung wie mit einer Axtklinge (z.B. öffnen einer Dachhaut) ist nicht gegeben.

 

Reißende Funktion:

Hier ist das Halligan-Tool grundsätzlich geeignet. Es stellt sich jedoch die Frage der Belastung durch das Eigengewicht bei wiederholter Anwendung, insbesondere bei Arbeiten über Kopf z.B. öffnen einer Deckenverkleidung.

 

Tastende Funktion:

Für diese Tätigkeit muss das Halligan-Tool und generell jedes Werkzeug mit beidseitig scharfkantig bestückten Anwendungsmöglichkeiten (Stoßklinge, Reishaken, Blechaufreißer,….) als ungeeignet bezeichnet werden. Insbesondere in der Suchanwendung (hat sich das Kind unter dem Bett versteckt?) ist die Verletzungsgefahr für den zu Suchenden nicht akzeptabel. Gleiches trifft auch für den Anwender zu. Da gibt es zwar Vorschläge die Verletzungsgefahr durch Aufstecken von Schlauchstücken auf die scharfen und spitzen Enden des Werkzeugs zu minimieren, doch dieses dürfte eher Theorie als Praxis sein. (Einsatz als Brechwerkzeug Schutzschlauch wird abgezogen, wo abgelegt?, schlechte Sicht, Schutzschlauch wird anschließend wieder aufgesteckt, es muss ein Gegenstand weggezogen werden, Schutzschlauch ab Schutzschlauch auf, voll aus der Praxis!!!) Grundsätzlich sollte aus Sicherheitsgründen für die tastende Funktion immer ein elektrisch nicht leitender Stiel Verwendung finden.

 

Ergonomie:

Die Bewertung der Ergonomie mag jeder für sich selbst bewerten. Eine mehrfache Anwendung der unterschiedlichen Funktionen unter den Bedingungen eines Brandeinsatzes dürfte hierfür sehr hilfreich sein.

 

Fazit:

Zum öffnen einer massiven Tür stellt die  kombinierte Anwendung von Halligan-Tool und Spalthammer sicherlich ein effektives Vorgehen dar. Allerdings gibt es für diese Tätigkeit auch spezielle Geräte wie hydraulischer Türöffner, Türramme usw.

Wenn auch das Halligan- Tool  im Bereich der technischen Hilfe durchaus seine Anwendungsbereiche findet so ist es als Werkzeug für die unterschiedlichen Anwendungen des Angriffstrupps im Brandeinsatz eher weniger geeignet.

 

Grundsätzlich ist die DIN-Feuerwehraxt für viele Anwendungen des Angriffstrupps einsetzbar. Allerdings kann die „Hebelnde Funktion“ nur unzureichend ausgeführt werden. Ursächlich ist die ungeeignete Geometrie des Axtkopfes und die fehlende Bruchsicherheit des Stieles.

 

Durch eine technische Änderung  entsprechend der Zeichnung in Verbindung mit einem weitestgehend bruchsicheren Stiel kann die bewährte Feuerwehraxt den heutigen Bedürfnissen angepasst werden. Hierdurch wird die „Hebelnde Funktion“ deutlich verbessert wobei die bisherigen Anwendungsmöglichkeiten weitestgehend erhalten bleiben. Dieses war neben der Gewichtsminimierung ebenfalls das Ziel der Normänderung  DIN 14900 von 1965. Ein geringeres Gewicht hat neben dem unbestrittenen Vorteil der geringeren Belastung aber den Nachteil der geringeren Wirkung bei der „Zerstörenden Funktion“. Hier währe ein Gewicht von 3kg-3,5kg als akzeptabler Kompromiss anzusehen. Dieses entspricht dem Gewicht  der Feuerwehraxt DIN 14460 von 1940.

 

Auf der Grundlage dieser Überlegungen wurden einige Prototypen in Handarbeit angefertigt und durch praktische Tests erprobt. Diese Tests wurden überwiegend positiv bewertet. Insbesondere ist die auffallend gute Akzeptanz der Anwender hervorzuheben. Als praktische Ergänzung wurde am Ende des Stiels eine Stoßplatte aus schlagfestem Kunststoff angebracht. Somit ist die Axt auch als Stoßwerkzeug einsetzbar, was in etwa der Wirkung eines schweren Fäustelschlages entspricht. Hiermit stände für den Trupp im Brandeinsatz ein wertvolles auch der Eigensicherheit dienendes Werkzeug zur Verfügung.

 

Norbert Diekmann

       
Hebelnde Funktion mittels Hebelschneide Hebelnde Funktion mittels Axtklinge Stoßende Funktion Suchende Funktion
       
Reißende Funktion Reißende Funktion Zerstörende Funktion Tastende Funktion

© Jürgen Truckenmüller, Düsseldorf - letzte Änderung: 11.05.2010