LF 24 - noch zeitgemäß ?

Neue Hilfeleistungslöschfahrzeuge für die Berufsfeuerwehr Düsseldorf

Vorbemerkungen

Seit 1975 sind bei der Berufsfeuerwehr Düsseldorf sogenannte Hilfeleistungs-Löschfahrzeuge (HLF) als Standardfahrzeuge der einzelnen Feuerwachen im Einsatz. Diese Fahrzeuge entsprechen in ihrer Konzeption weitgehend (Ausnahmen: keine Zugeinrichtung, kein Schaummitteltank, keine Saugschläuche) der damaligen Vornorm zum LF 24 (DIN V 14530) T 10). Die ersten Fahrzeuge wurden 1996 durch neue Hilfeleistungslöschfahrzeuge (LF 24 - NRW) ersetzt. Mit Planungsbeginn in 1994 stellte sich die Frage; welches ist denn nun das zweckmäßigste Fahrzeug mit welcher Beladung für eine Berufsfeuerwehr? Die Bandbreite der Meinungen reicht vom alles könnenden Superlöschfahrzeug, denken wir u.a. an die sogenannten schweren Löschzüge der siebziger / achtziger Jahre mit LF 24 bis LF 32 zwei- und dreiachsig, der Konzeption Hilfeleistungslöschfahrzeug der AGBF-NRW, bis zum heutigen Wettbewerb der Berufsfeuerwehren "Wer hat das kleinste und wendigste Löschfahrzeug"?

Zu Beginn der Überlegung muß die Stellung des Fahrzeuges in der Gesamtkonzeption der Feuerwehr definiert werden.  Der Löschzug der BF Düsseldorf setzt sich bereits seit einigen Jahren im Rendevouz-Verfahren aus ELW 1 (1/1) (C-Dienst, Zugführer im gehobenen Dienst), LF 24 (1/5), DLK 23-12 nB (1/1) und Ergänzungs-LF 24 (1/5) (von der Nachbarwache kommend) zusammen. Als ergänzende Komponenten stehen TLF`s, RW`s sowie weitere Sonderfahrzeuge und eine Vielzahl von Abrollbehältern zur Verfügung. Nicht zu vergessen die Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr, überwiegend ausgerüstet mit LF 16-12 und LF 16-TS. Für die weitere Entscheidungsfindung ist anzumerken, daß die Alten LF 24" sich in ihrer Konzeption bewährt haben und vom Konzept her noch weitgehenst den Anforderungen gerecht werden. Die Leistungsanforderungen an die neuen Fahrzeuge ergeben sich aus der Forderung, der Mannschaft in der Stärke 1/5 in möglichst vielen Einsatzsituationen WIRKUNGSVOLLE ERSTMAßNAHMEN zu ermöglichen. Für größere Einsätze wird bewußt die Notwendigkeit von nachrückenden Ergänzungen einkalkuliert, wobei das Fahrzeug dann als Basis fungieren muß. Daraus ergeben sich wiederum Anforderungen an die Fahrzeugkomponenten betreffend Pumpenleistung, Lichtmast und Generatorleistung. Zwangsläufig ergibt sich ein Zielkonflikt der einerseits durch die Forderung nach der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten und andererseits dem Wunsch nach kleinen und wendigen Fahrzeugen geprägt ist.

Der Versuch, diese Vorgabe auf der Basis eines LF 16-12 zu realisieren, scheiterte an dem zu geringen Ladevolumen. Standard-LF 24 werden heute überwiegend auf 18 to Fahrgestellen aufgebaut. Dieses war uns nun wieder eine Nummer zu groß. Mit dem Angebot der Fa. IVECO Magirus Brandschutztechnik auf einem 16 to Fahrgestell konnte ein guter Kompromiss gefunden werden. Die besonderen Vorteile liegen in der Gewichtsrelation vom Fahrgestell zum zul. Gesamtgewicht, der geringen Rahmenhöhe (Entnahmehöhe, Schwerpunkt) und nicht zu vergessen der preisliche Vorteil.


Fahrzeugdaten:

Fahrgestell: IVECO 150 E 27 Straße
196 kW bei 2200 min-1
ZF-Automatikgetriebe mit Retarder
Differentialsperre, ABS
Schleuderketten

Abmessungen und Gewichte: zulässiges Gesamtgewicht 16 000 kg
tatsächliches Gesamtgewicht 14 100 kg (!)
Länge 8,3 m
Länge mit Haspeln 8,9 m
Breite 2,5 m
Höhe 3,3 m
Wendekreisdurchmesser 17,8 m
Radstand 4,8 m

Die Wahl eines niedrigen Straßenfahrgestells (TLF´s und die Fahrzeuge der freiwilligen Löschgruppen haben Allradantriebe), die konsequente Plazierung schwerer Ausrüstung in die unteren Bereiche der Geräteraume und die Gewichtsreserve von ca. 2 to, die hier im Sinne der Fahrsicherheit gesehen wird, ergeben ein hervorragendes Fahrverhalten. Die Wendigkeit des Fahrzeuges ist mit der einer Drehleiter vergleichbar.


Aufbau und Ausrüstung

Bei den Bemühungen, die Außenmaße des Fahrzeuges zu reduzieren, wurde der Gedanke an eine Staffelkabine verworfen, da diese bei gleichen bzw. höheren Kosten max. 25 cm Einsparung in der Fahrzeuglänge erbracht hätte. Schließlich sollte sich der Angriffstrupp ungehindert ausrüsten können und Plätze für Auszubildende werden auch noch benötigt.

Zusätzlicher Laderaum konnte durch die Anordnung des Generators (20 KVA) im Fahrgestellrahmen unter Verwendung eines hydrodynamischen Antriebes durch den Fahrzeugmotor gewonnen werden.

Großer Wert wurde auf die Sicherheit des Fahrzeuges sowie die Sicherheit im Einsatz gelegt. Dazu zählt der niedrige Schwerpunkt , die Differenz zwischen dem zulässigen Gesamtgewicht und dem tatsächlichen Gesamtgewicht, Automatikgetriebe, ABS, Sicherheitsgurte auf allen Sitzen und die Verbannung von schwerer Feuerwehrausrüstung (Kübelspritze, Feuerlöscher, Brechstangen usw.) aus der Mannschaftskabine.

Zur Absicherung der Einsatzstelle ist das Fahrzeug heckseitig mit einer abnehmbaren Blitzlichtleiste, bestehend aus 5 gelben Einzelstrahlern die über eine Steuereinheit in der Blitzfolge eingestellt werden können, ausgerüstet . Dieser Warneffekt kann durch eine, mit dem Lichtmast ausfahrbare blaue Blitzlichtleuchte noch unterstützt werden. Als mobile Absicherungsmöglichkeit stehen 6 große Verkehrsleitkegel und 2 tragbare Blitzleuchten zur Verfügung. Der Atemschutz wird durch 6 Pressluftatmer sichergestellt, 2 Geräte im Mannschaftsraum und 4 weitere Geräte, davon 2 Langzeitgeräte, im Geräteaufbau. Zur Sicherung vor Absturz ist eine Ausrüstung zur Höhensicherung vorhanden.  Die anfangs erwähnte Basisfunktion bei größeren Einsätzen wird durch eine FP 24/8, einen 20 kVA Generator und einen Lichtmast mit 2x1500W Scheinwerfern ermöglicht. Für die Wasserversorgung verfügt das LF anstelle der Saugschläuche über 2 leistungsstarke Elektrotauchpumpen, die u. a. auch für Hochwassereinsätze benötigt werden. Die Wasserzufuhr aus der Sammelwasserversorgung bei begrenztem Wasserbedarf kann über die automatisch arbeitenden Tankfüllanschlüsse erfolgen. Damit entfällt das Ankuppeln des Sammelstückes auf den Pumpeneingang und die Umstellung von Tank- auf Saugbetrieb. Bei großem Wasserbedarf, Einsatz zur Löschwasserversorgung oder dem Betrieb eines Wasserwerfers, muß die Wasserzufuhr jedoch über den Pumpeneingang erfolgen.
Die Löschtechnik wurde auf den Bedarf einer Staffel reduziert. Für den Ersteinsatz stehen 1.600 Liter Löschwasser, eine Schnellangriffseinrichtung mit 50 m formstabilen Schlauch DN 25 und ein Verteiler mit 10 m angekuppeltem B-Schlauch zur Verfügung.

Anmerkung:   
Die Schnellangriffseinrichtung ist nur bei überschaubaren Brandstellen einzusetzen, wo von Anfang an feststeht, daß die Vornahme eines C-Rohres und die vorhandene Schlauchlänge mit Sicherheit ausreichend ist. Der Einsatz der Schnellangriffseinrichtung erfordert zum Ausgleich der Druckverluste des Schlauches einen Pumpendruck, der deutlich über 10 bar liegt und somit die Vornahme eines 2. Rohres praktisch ausschließt. Der Einsatz in Gebäuden (Ausnahme Größe Gartenhaus) ist in der bisherigen Form, hier unter Verwendung des Verteiler-Schnellangriffs in Verbindung mit C-Schlauchtragekörben, durchzuführen. Die Schlauchlänge der Schnellangiffseinrichtung wurde von anfangs 60 m auf bedarfsgerechte 50 m reduziert.

Der Schaumeinsatz wird durch 120 Liter Schaummittel in Kanistern, einem Kombischaumrohr und einem Hochleistungsinjektorzumischer sichergestellt. Letzterer ermöglicht im Gegensatz zu herkömmlichen Zumischern die Verlegung langer B-Leitungen zwischen Zumischer und Schaumrohr sowie die Schaumerzeugung in großen Höhen, z.B. über eine DL. Die prozentuale Zumischung kann auf 3 % oder 6 % eingestellt werden.


Die Erfahrung, daß bei großen Feuern bereits in der ersten Einsatzphase der Aufbau einer leistungsfähigen Löschwasserversorgung eingeleitet werden muß, erklärt die Beladung des Fahrzeuges mit 18 B-Schläuchen. Je 5 Stück sind auf 2 "Einmannhaspeln" und weitere 8 Stück als Rollschläuche untergebracht.
Ebenfalls zur Beladung gehört ein Überdrucklüfter mit Verbrennungsmotor und ein Sprungretter Typ Lorsbach.

Die weitere Ausrüstung ist der technischen Hilfeleistung, dem Umweltschutz, GSG-Einsätzen und der Rettung zuzuordnen.

Die heute übliche Ausrüstung mit Schere (S 90) und der Spreizer (SP-30) wurde durch einen zweistufigen Rettungszylinder ergänzt. Für Straßen- und U-Bahnunfälle werden 2 Hydraulikpumpen, 2 Teleskopheber und 1 Satz Unterbaumaterial mitgeführt. Zwei Erdungsstangen und ein Spannungsmesser ermöglichen die Zwangsabschaltung und Erdung von Oberleitungen der Rheinbahn bei Unfällen oder Drehleitereinsätzen.
Zur technischen Hilfeleistung sind weiter 2 Luftheber 220 KN, 2 Trennschleifer mit 300 mm und 115 mm Scheibendurchmesser, 1 Säbelsäge, 1 Kettensäge, 1 Kettenzug 150 KN, 4 verstellbare Baustützen sowie diverse Kleingeräte aufzuzählen.

GSG- und Umwelteinsätze können sofort durch die Ausrüstung eines Trupps mit Chemikalienschutzanzügen oder leichter Schutzkleidung mit der Anwendung von Kanaldichtmaterial (Wassersäcke und Gullyeier), einer Plane 4 x 4 m sowie einer Handmembranpumpe und einem 20 Liter Edelstahlkanister eingeleitet werden. Für den Strahlenschutzeinsatz ist eine Erstausrüstung vorhanden.

Die Rettung verletzter Personen aus schwer zugänglichen Bereichen wird durch eine Korbtrage mit Abseilspinne und die Erstversorgung durch einen Notfallkoffer ermöglicht. Die Korbtrage dient in Doppelfunktion als Lagerwanne für die CSA.

Nach dem Einsatz besteht die Möglichkeit der Handreinigung an einem Wasserhahn mit Seifen- und Handtuchspender. Ein Schluck gekühltes Mineralwasser steht in einer eingebauten Kühlbox (bereits liebevoll "Minibar" genannt) bereit.


Resümee

Ich denke, daß mit dieser Fahrzeugkonzeption allen Kollegen der BF Düsseldorf die Möglichkeit gegeben ist, zum Wohle des Bürgers vielfältige und effektive Soforthilfe leisten zu können. Dabei wurde nicht das Ziel eines "Alleskönnens" verfolgt (wir haben auch noch Sonderfahrzeuge) sondern vielmehr die Sicherheit und Alltagstauglichkeit sowie das Kosten-Leistungsverhältnis berücksichtigt. Letzteres vor allem unter dem Gesichtspunkt des flächendeckend gleichwertigen Schutzes.

Zur Zeit befinden sich 7 Fahrzeuge im Einsatz. Die Gesamtbeschaffungsmaßnahme beinhaltet nach derzeitiger Planung 9 Fahrzeuge (7x Feuerwachen, 1x Feuerwehrschule, 1x Reserve).

Ein "JA" für das LF 24 wenn auch der Begriff "Hilfeleistungslöschfahrzeug" die sinnvollere Bezeichnung darstellt.

Text: Dipl.- Ing. Norbert Diekmann, Feuerwehr Düsseldorf